Alkohol-/Drogen-/Medikamenten-/Nikotinabhängigkeit

  • In Österreich sind 440.000 Menschen alkoholabhängig und weitere 490.000 gelten aufgrund ihres Trinkverhaltens als gefährdet.
  • 100.000 Menschen sind medikamentenabhängig.
  • Es gibt 25.000 – 30.000 Konsumenten harter Drogen und 210.000 Haschischkonsumenten.
  • Zigaretten werden von 1,78 Mio. Menschen in Österreich geraucht.
  • Der Sucht- und Genussmittelmissbrauch stellt somit ein gesundheitspolitisches Problem ersten Ranges dar. Pro Jahr gibt es in Österreich ca. 200 Drogentote. Jedoch sterben 40 mal so viele an den Folgen ihres Alkoholkonsums und 70 mal so viele am Konsum von Tabak.

Was heißt Abhängigkeit?

Man unterscheidet den Missbrauch einer Substanz von der Abhängigkeit.

Von Missbrauch wird gesprochen, wenn eine Substanz nicht mehr ausschließlich des Genusses wegen konsumiert wird, sondern damit versucht wird, das eigene psychische Befinden zu beeinflussen. Die Substanz wird dann beispielsweise eingesetzt, um beruflichen Druck besser auszuhalten, um leichter abschalten zu können, um schnellere Entspannung zu erreichen, Ängste zu lösen oder depressive Stimmungen aufzuhellen. Ein Missbrauch würde auch dann bestehen, wenn eine Substanz als Vehikel zum Knüpfen zwischenmenschlicher Kontakte benötigt oder das Erleben von Spaß hauptsächlich mit dem Konsum von bestimmten Substanzen in Verbindung gebracht wird.

Die Abhängigkeit von einer Substanz ist die nächste Stufe im Verlauf einer Suchtentwicklung. Der Konsum wird noch weiter gesteigert. Es geht die Kontrolle über die Menge des Konsums mehr und mehr verloren. Man spricht von Kontrollverlust als einem wesentlichen Hinweis für das Vorliegen einer Sucht. Das alltägliche Leben stellt sich allmählich auf die Sicherstellung der ausreichenden Versorgung mit dem Suchtmittel um. Das heißt, die Gedanken kreisen häufig darum, ob noch genug Stoff vorhanden ist und ob man dort, wo man gerade hingeht auch die Möglichkeit hat, ihn schnell zu beschaffen. Das Gefühlsleben, die geistigen Fähigkeiten – Konzentrationsfähigkeit, Merkfähigkeit, etc. – und auch das soziale Leben in Familie, Beruf und Freundeskreis werden vom Suchtmittel bestimmt und beeinträchtigt.

Es treten bei Verzicht auf die Substanz Entzugserscheinungen auf. Das können innere Unruhe, Nervosität, Händezittern, Schwitzen oder auch Angstgefühle sein. Begleitet werden diese Symptome unter Umständen von Schlafstörungen und Appetitlosigkeit.

Da sich der Organismus auf eine wiederholt und regelmäßig eingenommene Substanz einstellt und ausgleichend reagiert, kommt es im Laufe der Zeit dazu, dass bei gleichbleibender Dosis keine Wirkung mehr erzielt wird. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Toleranzsteigerung. Der Erkrankte hebt als Reaktion darauf die Menge seines Konsums kontinuierlich und oft subjektiv ungemerkt stetig an.

Wer ist abhängig?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert in Zusammenhang mit Alkoholismus eine „Harmlosigkeitsgrenze“ unter der für den gesunden Menschen ein Alkoholkonsum als unbedenklich bezeichnet werden kann und eine „Gefährdungsgrenze“ über welcher der Konsum als problematisch bzw. zumindest gesundheitsgefährdend zu bewerten ist.

Die Harmlosigkeitsgrenze liegt für Männer bei durchschnittlich 24 Gramm reinem Alkohol pro Tag, das sind 0,6 Liter Bier oder 0,3 Liter Wein und für Frauen bei 16 Gramm reinem Alkohol (~0,4 l Bier oder 0,2 l Wein). Von vielen Experten wird zusätzlich empfohlen, an 2 Tagen in der Woche auf Alkohol ganz zu verzichten.

Die Gefährdungsgrenze liegt für Männer bei durchschnittlich 60 Gramm reinem Alkohol pro Tag, das entspricht einer Menge von 1 ½ Liter Bier oder 0.75 Liter Wein und für Frauen bei 40 Gramm reinem Alkohol (~1 l Bier oder 0,5 l Wein).

Für andere Suchtmittel ist eine solche Bewertung nicht sinnvoll, da beispielsweise bei Nikotin oder illegalen Drogen von einer Unbedenklichkeit kaum gesprochen werden kann.

Abhängigkeit und psychische Störungen

Bei jedem Abhängigen ist immer auch die Suche nach möglichen Ursachen eine diagnostische Notwendigkeit. Es ist bekannt, dass einem großen Teil der Abhängigkeitserkrankungen eine psychische Störung zugrunde liegt, die dem Laien und sogar dem Betroffenen selbst verborgen sein kann. Man spricht dann von einer symptomatischen oder sekundären Abhängigkeit.

Die häufigste psychische Grunderkrankung in diesem Zusammenhang ist die Depression, die auch in Phasen auftreten und somit einen phasenhaften Verlauf der Abhängigkeit oder des Missbrauchs bedingen kann. Abstinente Perioden wechseln mit Rückfällen.

Eine weitere oft zu beobachtende Grunderkrankung ist die Angststörung. Alkohol und gewisse Medikamentengruppen gelten als wirksame angstlösende Mittel.

Grundsätzlich kann jede psychische Erkrankung ursächlich oder als Folge einer Abhängigkeit auftreten. Auch chronische Schmerzerkrankungen wie Migräne oder Menstruationsbeschwerden können zu Substanzmissbrauch- und Abhängigkeit führen.

Das Suchtmittel ist beim symptomatischen oder sekundären Missbrauch als „Medikament“ zu verstehen, das vom Erkrankten gezielt zur Unterdrückung seiner Beschwerden eingesetzt wird. Um die Wirkung des Suchtmittels zu gewährleisten, ist er zumeist genötigt, die Dosis aufgrund der Toleranzsteigerung (siehe: „Was ist Abhängigkeit“) kontinuierlich anzuheben.

Behandlung der Abhängigkeit

Medizinische Behandlung

Menschen mit einer Missbrauchs- oder Abhängigkeitsproblematik werden in den meisten Fällen am Beginn einer Behandlung zunächst einer medizinischen Untersuchung und nötigenfalls einer körperlichen Entzugsbehandlung unterzogen. Ziel dieser Maßnahme ist es, bei völligem Entzug des Suchtmittels körperliche Entzugserscheinungen (siehe „Was ist Abhängigkeit“) unter Kontrolle und schließlich ganz zum Abklingen zu bringen.

Diese Behandlung wird stationär in einer medizinischen Abteilung eines allgemeinen Krankenhauses oder in einer psychiatrischen Fachabteilung durchgeführt.

Zudem bietet die Medizin heute Medikamente – sogenannte „Anticravingmittel“ – zur Unterdrückung von Alkohol- und auch Nikotinverlangen an. Ihr Ziel ist es, durch die Beeinflussung von Botenstoffen im Gehirn ein Sättigungsgefühl zu erzeugen und somit das Verlangen nach der Substanz zu verhindern. Der Einsatz solcher Mittel ist nur begrenzt möglich und zielführend.

Psychologische Behandlung

Der medizinischen Entzugsbehandlung folgt bei entsprechender Indikation eine stationäre Entwöhnungstherapie, die in speziell eingerichteten Sonderkrankenhäusern angeboten wird. Die körperliche Entzugssymptomatik ist subjektiv weitgehend abgeklungen, die psychische Abhängigkeit jedoch und die Gefahr des Auftretens neuerlichen Verlangens unverändert vorhanden.

Unter meist psychologischer und psychotherapeutischer Anleitung wird versucht, das Problembewusstsein des Abhängigen und seine Motivation zum Festhalten an der Abstinenz zu stärken.

Methoden der psychologischen Behandlung

Psychotherapeutische Einzelgespräche

In regelmäßigen Einzelsitzungen erhält der Kranke die Möglichkeit seine einzigartige Problematik individuell zu hinterfragen und zu bearbeiten, um letztendlich einen persönlichen Weg zur Bewältigung seiner Sucht zu finden.

Gruppenpsychotherapie

Eine in der Suchttherapie traditionell erprobte Behandlungsweise ist die der Gruppengespräche. Durch sie wird es dem Einzelnen möglich, die Sichtweisen und Bewältigungsformen anderer kennen zu lernen und gleichzeitig ein Solidaritätsgefühl zu entwickeln, das sein Selbstvertrauen stärkt und ihm die Erfahrung mitgibt, mit seinem Problem nicht allein zu sein.

Beschäftigungstherapie

Hier soll dem Abhängigen einerseits Gelegenheit gegeben werden neue Fähigkeiten an sich zu entdecken und andererseits wieder Ausdauer zu finden, sich ein Ziel zu setzen und beständig daran zu arbeiten. Gleichzeitig ist künstlerische und handwerkliche Betätigung eine mögliche Ausdrucksform des persönlichen Erlebens und Fühlens und somit eine gute Auseinandersetzung mit sich selbst.

Bewegungstherapie

Da mit der Sucht in vielen Fällen ein Bewegungsmangel einhergeht, gilt es, den Erkrankten auch dahingehend zu aktivieren, ihm wieder Gefühl und Eigenverantwortung für seinen Körper zu vermitteln und ihm dadurch eine mögliche Alltagsalternative zum bisherigen Suchtverhalten aufzuzeigen.

Entspannungstechniken

Ein wesentlicher Bestandteil von stationären Entwöhnungsbehandlungen ist das Erlernen von Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und ähnlichem. Auch das kann später zu einer sinnvollen Alternative in der Bewältigung von Alltagsschwierigkeiten, bis hin zu Lebenskrisen werden.

Sollte eine stationäre Behandlung nicht indiziert oder aus verschiedenen Gründen nicht möglich sein, bietet die Psychotherapie breitgestreute Möglichkeiten, vor allem bei der Behandlung von beteiligten psychischen Grundstörungen (siehe „Abhängigkeit und psychische Störung“), wie Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen, Beziehungsproblemen und ähnlichem mehr.

Eine ambulante psychotherapeutische Behandlung der Abhängigkeit an sich stellt sich im allgemeinen als schwierig aber nicht von vorne herein ausgeschlossen dar. Gute Erfolge sind in der Raucherentwöhnung bekannt. Der Schwerpunkt liegt hierbei im Erwerb von Selbstkontrolle und Entspannungstraining.

Entsprechende Links

www.mariaebene.at
www.api.or.at
www.wagner-jauregg.at

weitere Infos: http://www.psychenet.de/psychische-gesundheit/informationen.html

Selbsthilfegruppen

Einen wesentlichen Bestandteil in der Aufrechterhaltung der Abstinenz stellen Selbsthilfegruppen und auch therapeutisch geführte Gruppen dar, die nahezu flächendeckend und in jeder größeren Stadt mehrfach zu finden sind. Die bekanntesten Gruppierungen sind die „Anonymen Alkoholiker“, und der „Blaue Kreis“ für die Bereiche Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit. Dazu kommen noch Raucherentwöhnungsgruppen und Gruppen für Angehörige von Suchtkranken.

Adressen solcher Einrichtungen können meist im Inseratenteil von Tageszeitungen unter „Lebenshilfe“ oder ähnlichem nachgelesen sowie in Krankenhäusern oder sozialen und psychiatrischen Institutionen erfragt werden.

Angehörige

Betroffen von einer Sucht sind nicht nur die Erkrankten selbst, sondern immer auch Angehörige, die über Jahre die Folgen der Krankheit mit tragen und ihr eigenes Leben ganz danach ausrichten. Dieses Verhalten kann soweit gehen, dass der Angehörige ungewollt die Abhängigkeit des Betroffenen mit aufrechterhält und sich somit selbst in einem Teufelskreis wieder findet, aus dem er keinen Ausweg sieht. Man spricht in diesem Fall von Coabhängigkeit.

Da Suchtkranke über lange Zeit ihr Problem nicht anerkennen, kommt Angehörigen oft die wichtige Rolle zu, einen ersten Schritt in Richtung Veränderung zu fördern.

3 Grundregeln dazu lauten:

  1. Nicht wegschauen!
  2. Das Schweigen durchbrechen!
  3. Professionelle Hilfe aufsuchen!

Selbsteinschätzung

Um den eigenen Umgang mit Genussmitteln einschätzen zu können, füllen Sie die folgenden zwei kurzen Tabellen über das Rauchverhalten und Ihre Einstellung zum Alkoholkonsum aus. Es handelt sich dabei um Kurztests, die als wissenschaftlich abgesichert gelten und sich in der klinischen Praxis bewährt haben.

Fagerström-Test

Beantworten Sie bitte folgende Fragen! 3 Punkte 2 Punkte 1 Punkt 0 Punkte
Wieviele Zigaretten rauchen Sie pro Tag? über 30 21 bis 30 11 bis 20 1 bis 10
Wann rauchen Sie nach dem Aufstehen Ihre erste Zigarette? innerhalb von 5 min 6 bis 30 min 32 bis 60 min später als 1 Stunde
Rauchen Sie in der ersten Stunde nach dem Aufstehen mehr Zigaretten als am Rest des Tages?     Ja Nein
Fällt es Ihnen schwer ein Rauchverbot einzuhalten?     Ja Nein
Auf welche Zigaretten möchten Sie am wenigsten verzichten?     Die erste nach dem Aufstehen Eine andere
Rauchen Sie gelegentlich auch, wenn Sie krank im Bett liegen?     Ja Nein

Auswertung

0 bis 2 Punkte keine Abhängigkeit
3 bis 4 Punkte geringe Abhängigkeit
5 Punkte mittlere Abhängigkeit
6 bis 7 Punkte starke Abhängigkeit
8 bis 10 Punkte sehr starke Abhängigkeit

Cage-Test

Beantworten Sie bitte folgende Fragen!   Ja Nein
Hatten Sie jemals das Gefühl,
dass Sie weniger trinken sollten?
Cut down           
Hat es Sie belästigt oder gekränkt,
wenn jemand Ihr Trinken kritisiert hat?
Annoyed           
Hatten Sie jemals Schuldgefühle
wegen Ihres Trinkens?
Guilty           
Mussten Sie jemals morgens trinken,
um sich zu beruhigen oder um in Gang
zu kommen?
Eye opener           

Auswertung

bei 2 »Ja« Verdacht auf Alkoholabhängigkeit
bei 3 »Ja« Alkoholabhängigkeit wahrscheinlich
bei 4 »Ja« Alkoholabhängigkeit sehr wahrscheinlich