Demenz

Demenz kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: Weg vom Geist, ohne Geist.

Der Begriff umfasst eine Reihe von Symptomen verschiedener Ursachen und unterschiedlichen Verlaufs. Das wesentliche Merkmal ist der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit.

Demenzerkrankungen können je nach Ursache in primäre und sekundäre Demenzen unterschieden werden. Die häufigste Form primärer Demenzen ist die Alzheimer Demenz, mit etwa 50% bis 60% aller Krankheitsfälle.Mit etwa 15% bis 20% folgen die gefäßbedingten Demenzen, die als Folge von verminderter Hirndurchblutung und Hirninfarkten auftreten können. Mischformen aus Alzheimer Demenz und vaskulärer Demenz machen etwa 15% aus. Sekundäre Demenzen (d. h. dass bei etwa 10% aller Krankheitsfälle andere Ursachen zugrunde liegen), sind zum  Teil behandelbar. Es handelt sich hierbei u.a. um Tumore, Spätfolgen von Verletzungen, Stoffwechselstörungen, Vergiftungen, Vitaminmangelzustände (vgl. Krämer, 1996).

Erwähnt seien hier noch die Lewy-Körperchen Demenz und Frontotemporale Demenz. Bei der Lewy-Körperchen Demenz kommt es zu Schwankungen der Hirnleistung und raschem Wechsel (Vigilanz), Verhaltensstörungen, visuelle Halluzinationen, Wahn, Parkinsonsymptome (vermehrte Stürze).

Die Frontotemporale Demenz hat nicht so sehr die Hirnleistungsstörungen im Vordergrund sondern die Problematik der sozialen Vergröberung, Affektlabilität usw.

Die Alzheimer Demenz entwickelt sich langsam und schleichend. Langsam und stetig fortschreitend werden die Nervenzellen im Gehirn zerstört. Alzheimer Kranke erleben zuerst eine Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses. Die Merkfähigkeit lässt nach, z.B. können Gespräche nicht mehr wiedergegeben werden.  

Dinge werden immer häufiger verlegt, wieder und wieder werden die gleichen Fragen gestellt. Das Denken wird erschwert und umständliche Ausdrucksweisen nehmen zu, es treten Wortfindungsstörungen auf. Das Zeitgefühl wird ungenau, die Orientierungsfähigkeit (zur Person, örtlich, zeitlich, situativ) lässt nach, Untätigkeit oder scheinbare Interesselosigkeit entwickeln sich.

Im Verlauf der Krankheit lassen sich die Beschwerden und Beeinträchtigungen nicht mehr vertuschen und sie nehmen in ihrer Ausprägung stark zu. Das Gedächtnis wir hochgradig beeinträchtigt, immer häufiger können selbst Ehepartner und Kinder nicht mehr benannt werden. Der Kranke verliert sein Zeitgefühl. Vergangenheit und Gegenwart können nicht mehr unterschieden werden. Logische Schlussfolgerungen gelingen nicht. Wahngedanken und Sinnestäuschungen sind eine weitere psychische Bedrohung für den Kranken. Unruhe und zielloses Wandern können das Verhalten bestimmen. Die Sprache wird undeutlich und inhaltsleer, Lesen und Schreiben ist oft nicht mehr möglich. Alle Alltagsaufgaben können nur unter Anleitung und Unterstützung bewältigt werden. Die Kranken sind in ihrer Gefühlskontrolle gestört, sie erleben ein ständiges Gefühlschaos.

Zusammenfassung und einige Tipps zum besseren Miteinander:

  • Der Demenzkranke verliert sein Erinnerungs- und Denkvermögen.
  • Seine Erlebnisfähigkeit, seine Empfindsamkeit, seine Gefühle bleiben erhalten.
  • Viel Wissen über die Lebensgeschichte des Erkrankten erleichtern uns das Einfühlen und Verstehen, daraus abgeleitet sollen wir dem Erkrankten mehr aus seiner Zeit erzählen (unter dem Motto „DAMALS“)
  • Quizfragen vermeiden (was hat es denn Mittag zu essen gegeben?) wenn der Erkrankte es schon zum x-ten mal nicht mehr weiß.
  • Schlüsselwörter verwenden um die emotionale Stimmungsablenkung zu schaffen.
  • Wenig Korrektur - dies ist wohl eine der wichtigsten Betreuungshaltungen (am Anfang sehr schwer für die Begleitenden) um dem Erkrankten die Beschämung über sein Versagen zu ersparen.
  • Im Gespräch die Sorge hören, wenn es um den vor vielen Jahren verstorbenen Partner geht ( Formulierungen wie: „Sie haben ihre Frau wohl sehr gerne gehabt“  sind angebracht).
  • Einfache kurze Sätze-  in kurzen Abständen wiederholen.
  • Orientierungshilfe auch i.d. Wohnung,  WC etc.
  • Information über technische Hilfsmittel einholen z.B. Rauchmelder, Wassermengendurchflussregler usw.
  • Wenn  die Erkrankung weiter fortgeschritten ist, dem Patienten keine Entscheidungsfragen stellen („wollen Sie die rote oder die blaue Bluse anziehen?“) – dies kann schon zu Überforderung und „Stress“ führen.

Literaturliste

Liebesgeschichten – Biographiearbeit  mit alten Menschen
Blimlinger Eva, Ertl Angelika
Koch-Straube Ursula,
Wappelshammer Elisabeth
Vincentz Verlag, Hannover 1996
ISBN: 3-87870-060-1

Das Große Vergessen - Die Alzheimer Krankheit
Furthmayr- Schuh Annelies
Kreuz Zürich 1997
ISBN: 3-268-00102-5

Wenn Eltern Kinder werden und doch Eltern bleiben
Die Doppelbotschaft der Altersdemenz
Klessmann Edda
Verlag Hans Huber/BRO 1999
ISBN: 3-456-83190-0

Der 36 Stunden Tag
Nancy L. Mace, Peter V. Rabins
Verlag Hans Huber
ISBN: 3-456-8334367

Der alte König in seinem Exil
von Arno Geiger
ISBN 978-3-423-25350-5

Aus dem Schatten treten
von Helga Rohra
Bestellnr.: 00186
ISBN: 9783940529862

Helga Rohra " Ja zum Leben trotz Demenz"
Link zum Video:https://www.youtube.com/watch?v=LO29z0vcRT0