Posttraumatische Belastungsstörungen

lm Mittelpunkt einer traumatischen Erfahrung stehen immer eine oder mehrere belastende Emotionen von einer Stärke, die nicht mehr verarbeitet werden kann.

Die Gründe für dos Blockieren der Verarbeitung sind vielfältig. Die traumatisierende Situation ist meistens eine Situation der Schutz- und Hilflosigkeit, in der dos natürliche Vertrauen in die Welt, die Mitmenschen und in die eigenen Fähigkeiten schwer verletzt wurde.

Jeder Mensch kann in eine solche Situation kommen, sei es auf der Straße, bei einer Naturkatastrophe oder als Opfer krimineller Gewalt. Auch medizinische Situationen können von dieser Art sein, z.B. wenn jemand während einer Operation unbemerkt aus der Narkose erwacht, was immer wieder berichtet wird. Wenn diese belastenden Emotionen nicht verarbeitet werden können, werden sie gleichsam notdürftig eingekapselt. Das Einkapseln erfordert durch- gehenden Energieaufwand. Die betroffenen Menschen gehen dann allen Situationen und Auslösern aus dem Weg, die an die negativen Emotionen rühren könnten, und stehen unter permanenter Erregungsspannung. Trotzdem dringt dieses belastende Material ständig in die Gegenwort ein, es kommt zu Nachhol-Erinnerungen (Flashbacks), Albträumen, Affektdurch- brüchen, Panikattacken. Auch der Körper selber kann massiv davon betroffen sein: schwere chronische Schmerzzustände, z.B. auch chronische Kopfschmerzen, können ein Ausdruck dafür sein. Manchmal treten auch depressive Zustände und Angstsymptome auf, die in Zusammenhang mit einem oder mehreren traumatisierenden Erfahrungen stehen, welche für die betroffenen Personen oft nicht (mehr) erkennbar sind. Warum werden in der scheinbar selben Situation stets nur einige Betroffene krank? Dies hängt mit mehreren Faktoren zusammen, wie:

 

Welchen belastenden Erfahrungen war ein Mensch im Laufe seines Lebens bereits ausgesetzt Es scheint so zu sein, dass individuell unterschiedliche, aber für jeden Menschen nur ein bestimmtes Maß an Belastung bewältigbar ist.

 

  • Welche Ressourcen, d.h. Kraftquellen, stehen der betroffenen Person in der Situation zur Verfügung?
  • Löst eine belastende Erfahrung Folgeerscheinungen aus, die dann in Summe die Verarbeitungsmöglichkeit der betroffenen Person übersteigt? Z.B. verunglückt der Vater tödlich, muss die Mutter nun neben dem Verlust des Partners auch einen Arbeitsplatz finden, um genug Einkommen für sich und ihre Kinder zu erlangen, reagiert ein Kind noch einem halben Jahr mit massiven Auffälligkeiten auf den Tod des Vaters usw.
  • Gibt es belastende Ereignisse in der Vergangenheit, die gut bewältigt werden konnten, kann dies auch als Ressource gesehen werden, welche die neue Belastungssituation verarbeitbar macht, wie eine Schatztruhe, auf die man in Zeiten der Not zurückgreifen kann.

 

In der Trauma-Therapie wird daran gearbeitet, Ressourcen, die blockiert sind, wieder zugänglich zu machen, neue Ressourcen aufbauen und die traumatisierende Erfahrung in die eigene Lebensgeschichte zu integrieren.

weitere Infos: http://www.psychenet.de/psychische-gesundheit/informationen.html

Dr. M. Brigitta Beghella