Was ist Schizophrenie?

Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die seit der Antike bekannt ist. Der Name wurde von Eugen Bleuler zu Beginn des 20 Jhdt. geprägt. Mit dem Begriff Schizophrenie ist gemeint, dass sich die Betroffenen in ihrer Person nicht als Ganzes erleben, die Grenzen zwischen sich und anderen verschwimmen und Innen und Außen nicht mehr klar abgegrenzt werden können. Die gesamte Gefühlswelt, die Persönlichkeit, das Denken, Wahrnehmen, Fühlen sowie Kommunikation und Erleben sind betroffen. 

Symptome (Krankheitszeichen):

Wahrnehmungsstörungen

Personenverkennung, Wahnvorstellungen wie z. B. Verfolgungswahn, Vergiftungswahn; für die Betroffenen gilt die subjektive Gewissheit der Richtigkeit der Wahrnehmung, die Vorstellungen sind unkorrigierbar und für Außenstehende oft nicht nachfühlbar.

Störung der Kommunikationsfähigkeit

Konzentrationsdefizite und Schwäche der selektiven Aufmerksamkeit mit Störung der Informationsverarbeitung liegen oft schon vor Ausbruch der Erkrankung vor.

Dies kommt auch sprachlich zum Ausdruck, in dem die Patienten Gedanken oft nicht zu Ende führen, die Gedanken abreißen, der gesprochene Satz bruchstückhaft bleibt.

Störung des Antriebs und Sozialverhaltens

Initiative, Interesse und Energie gehen verloren. Es kommt zum sozialen Rückzug, Angst, Misstrauen, Gefühlsarmut und gedrückter Stimmung. Die Körperpflege wird vernachlässigt.

Störung der motorischen Aktivität

Es kommt einerseits zur Bewegungsarmut bis zu Bewegungslosigkeit bzw. zum Energieverlust (bei erhaltenem Bewusstsein) bzw. hölzernen Bewegungsabläufen oder andererseits zur extremen motorischen Unruhe und Erregung (Raptus).

Die Ausprägung der Symptome ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Die Konsequenz dieser Symptome ist, dass die Patienten sich im Alltag nicht mehr zurechtfinden, sich zurückziehen, die Schule oder die beginnende Berufslaufbahn abbrechen oder aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden; weiters kommt es zu Störungen der Partnerschaften und Familienbeziehungen.

Was sind die Ursachen für Schizophrenie?

Die Ersterkrankung tritt meist in der Adoleszenz auf (zwischen dem 16. und 30. Lebensjahr). Die Patienten sind besonders empfindlich auf Umweltfaktoren und verfügen über ein schlechtes Stressmanagement.

Die Ursache hierfür vermutet man in einer Stoffwechselstörung im Gehirn, bei genetischer Prädisposition.

Eventuell sind für die Erkrankung auch perinatale Schädigungen bzw. funktionelle Schädigungen des Gehirns verantwortlich.

Bei einer emotional belasteten Kindheit und Jugend erhöht sich das Erkrankungsrisiko. 

Wie viele Menschen leiden an dieser Erkrankung?

Weltweit erkrankt ca. 1% der Bevölkerung irgendwann im Leben an Schizophrenie.

Der Krankheitsverlauf ist unterschiedlich, es kann bei einer einmaligen Episode bleiben oder die Krankheit kann phasenhaft bzw. in Schüben verlaufen.

Eine einmalige schizophrene Episode erleiden ca. 20% aller Erkrankten.

Bei weiteren 50% treten mehrfache Episoden auf, die gut behandelbar sind.

Bei den restlichen Patienten nimmt die Erkrankung einen chronischen Verlauf, die zur dauerhaften psychischen Behinderung führen kann.

Bei diesen Patienten liegt das Suizidrisiko bei ca. 10%. 

Wie erkennt man als Betroffener, dass man möglicherweise an Schizophrenie leidet?

Viele Patienten spüren bei sich Veränderungen, die verunsichern und Angst auslösen. Bei Erstmanifestation wird die Erkrankung jedoch selten erkannt. Eine Krankheitseinsicht fehlt oft.

Woran erkennt ein Angehöriger, dass ein nahestehender Mensch vielleicht an Schizophrenie erkrankt ist?

Auffällig ist meist ein bizarres Verhalten, ein atypisches Benehmen, nicht einfühlbare Vorstellungen des Betroffenen (Wahngedanken, sozialer Rückzug).

Je früher diese Symptome richtig gedeutet und fachärztlich behandelt werden umso besser lassen sich biosoziale Folgeschäden, wie Schulabbruch, Abbruch der Ausbildung oder des Arbeitsverhältnisses sowie Beziehungsabbrüche verhindern.

In welchem Zusammenhang steht Schizophrenie mit anderen psychischen Erkrankungen?

An Schizophrenie erkrankte Menschen leiden gleichzeitig oft an einer Suchterkrankung wie Nikotin oder Alkoholabhängigkeit bzw. Drogenabhängigkeit.

Wie wird Schizophrenie behandelt?

In der akuten Krankheitsphase ist meist eine stationäre Aufnahme in eine Fachabteilung notwendig. Eine Langzeitbehandlung kann meist ambulant erfolgen, mit dem Ziel Langzeitstabilisation bzw. Rückfälle zu vermeiden.

Die Behandlung der Schizophrenie steht auf drei Säulen:

Medikamentöse Therapie: Verabreichung von Antipsychotika, die vor allem auf ein Abklingen der psychotischen Symptomatik mit Wahnideen, Halluzinationen und Desintegrationssymptomen abzielen.

Psychotherapie: diese sollte stützend, entängstigend und realitätskorrigierend wirken und damit die Krankheits- und Behandlungseinsicht fördern, die Medikamenten-Compliance verbessern und rückfallsvorbeugend sein, indem die Patienten lernen, Stress zu vermeiden bzw. zu erkennen und zu bewältigen.

Eine tragfähige therapeutische Beziehung ist die Voraussetzung für das Gelingen der Behandlung.

Soziotherapie: Angehörige und Patienten erhalten Informationen über die Erkrankung, über deren Einflussfaktoren wie z.B. Überstimulation (z. B. Stress) oder Unterstimulation (mangelnde aktive Teilnahme im Alltag, Mangel an Angeboten mit Aufforderungscharakter).

Welche Folgen kann eine unbehandelte Schizophrenie haben?

Bei Menschen, die sich nicht behandeln lassen, treten Schizophrenieschübe häufiger und mit stärkerer Intensität auf. Dies kann zu einer chronischen Erkrankung, zu sozialen und kognitiven Störungen wie z. B. Sprachverarmung, sozialem Rückzug und Isolation, zur Unfähigkeit Freude zu empfinden, evt. zu Misstrauen sowie zu Aufmerksamkeitsstörungen und Schwierigkeiten komplexe Aufgaben zu bewältigen, führen.

Unbehandelt führt Schizophrenie auch zu körperlichen Erkrankungen, wie Herz- Kreislauferkrankungen, damit verbunden Schlaganfall und Diabetes mellitus.

Freunde und Familie wollen einem Schizophreniepatienten helfen, es hindern jedoch Scham, Angst, Schuldgefühle bzw. das gesellschaftliche Stigma, Hilfe zu suchen und anzunehmen.